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Speed of Life
von
Reiner Röbisch
<Musik, David Bowie - „Sound and Vision“>
Im Horizont blenden die Scheinwerfer eines Fahrzeuges. . Das Fahrzeug fährt Richtung Mittelpunkt, zu erkennen isr ein Kleinbus. Der Kleinbus bremst stark, er kommt wenige Zentimeter vor der Kamera zum stehen. Es öffnen sich 4 Türen des Busses. Kamera verfolgt auf Beinhöhe 2 auf der Fahrerseite aussteigende Männer. Sie sprechen kein Wort und gehen geziehlt Richtung Heck des Busses. Sie öffnen die Ladetüre, senken eine Rampe und ziehen eine im Rollstuhl sitzende Person (Reiner) auf die Straße. Eine Person schwenkt die Rampe zurück in den Bus und schließt die Hecktüre.
<Schnitt>
Die fünf Freunde, alle Anfang Dreißig, sitzen in einem großräumigen Pub um einen Tisch und lesen die Getränkekarte:
Reiner: Ein Pils bitte.
Michael: PinaColada bitte.
Peter: Auch ein Pils bitte.
Christian: Ein Weißbier bitte.
Günther: Ein Prosecco bitte.
Kollektives Schmunzeln in der Runde.
Bedienung: zwei Pils, ein Weißbier, eine PinaColada, ein Prosecco, sonst noch Wünsche? (in militärischem Tonfall)
Peter: Ja, die Nüsse vom anderen Tisch.....BITTE.
Die Bedienung bleibt auf dem Punkt stehen, dreht sich 180° um die eigene Achse und lässt sich soweit nach vorne fallen bis sie Halt an der gegenüberliegenden Tischkannte findet. Sie nimmt die Schale mit den Nüssen, stemmt sich hoch, dreht sich wieder um 180°, hält die Schale 10cm über dem Tisch und lässt Diese die letzten Zentimeter fallen. Sie verlässt den Ort wortlos.
Die Kamera zeigt von oben wie sich zeitgleich fünf Arme auf die Schale bewegen. Jeder nimmt eine handvoll Nüsse. Die Schale ist leer.
<Schnitt>
Die Bedienung kommt zurück und serviert die bestellten Getränke. Sie verlässt den Ort wieder wortlos.
Peter: Nochmal Nüsse bitte.
Die Fünf Freunde setzten zum trinken an. Die drei Biertrinker „schütten“ sich ihr Bier rein. Man sieht die Gurgel arbeiten. Michael zieht an einem Strohhalm und Günther hält elegant sein Prosecco mit drei Fingern und nibbt am Getränk. Sie setzen gleichzeitig ab.
Michael: Wisst ihr eigentlich schon, wer jetzt...
Günther: Moment Michael, ich muss da etwas los werden, ok?
Michael: Ok. Aber beeile dich.
Günther: Jungs, eine Mitteilung: ich habe mich verliebt. Erst vor ein paar Tagen. Ich weiß es aber schon sehr lange und trage dies in meinem Herzen einher.
Christian: „einher“ (grinsend)
Günther: Christian, bitte...darf ich weitermachen?
Christian: Ja Ja, mach zu.
Günther: Sehr nett von dir...Also ich habe mich verliebt...
Christian: In wen?
Günther: Ich habe mich also verliebt. Ich denke es ist die Liebe meines Lebens. Ihr Name ist ...
<Pause>
... M....arkus. Ich bin schwul.
<Pause>
Ich weiß was ihr jetzt denkt. Ich habe nur eine Bitte an euch. Wenn ihr ein Problem damit habt und es vorzieht, mich zu ignorieren oder zu verstossen, dann tut das jetzt gleich. Steht auf und verlasst den Tisch!
<Pause>
Stille in der Runde. Die vier Freunde schauen sich gegenseitig regungs- und emotionslos an.
Reiner: Gilt das auch für mich?
Die Runde bricht in Gelächter aus, Michael schlägt Reiner leicht auf den Hinterkopf – Ende der Szene.
<Vorspann>
<1. Kapitel>
<Musik: Adam Green „Friends of mine“ fade-out halbe Lautstärke bei 0:15>
Kamera zeigt den Tisch wieder von oben. Der Tisch ist voll mit leeren Schalen für Nüsse. An den Gesichtern von Vieren ist die fortgeschrittene Zeit erkennbar.
Reiner: Günther, wie oft sollen wir dir noch sagen, das wir das seit Jahren wussten.
Christian: Was? Wielange denn nun?
Reiner: Wissen ist vielleicht das falsche Wort. Wir haben es geahnt. Du hattest nie eine richtige Freundin. Und die Frauen mögen dich. Das ist nicht normal. Ups. Du weißt schon, klar ist es normal, aber...
Peter: Sind wir nicht alle ein bischen schwul?
Michael: Ich nicht.
Christian: Woher willst du das wissen Michael?
Peter: Ja genau Michael, du verbringst doch die meiste Zeit mit unserem Süssen.
Michael: Na weil ich es weiß. Und darüber will ich nicht reden.
Peter: Darüber?
Michael: Ja Darüber!
Peter: Über was?
Michael: Wie geht's eigentlich deiner Heidi?
Peter: Die wohnt jetzt bei Sonja
Gelächter
Reiner: Sonja ist ausgezogen? Warum? Und seit wann? Was ist passiert? Warum erfahren wir erst jetzt davon? Verdammt! Erzähl! Muss man dir denn Alles aus der Nase ziehen?
Peter: Vor gut zwei Wochen...
Reiner: Du warst doch letzte Woche noch bei mir...
Peter: Ja, da dachte ich, sie kommt auch wieder zurück.
Reiner: Und jetzt nicht mehr?
Peter: Definitiv nicht mehr. Ich habe die Schlösser ausgetauscht.
Günther: Er ist konsequent (lächelnd)
Peter: Nicht das sie noch auf die Idee kommt, die Wohnung leer zu räumen.
Michael: Jaa, als gebranntes Kind scheut man sich auch davor, alle 6 Monate einen neuen Fernseher und DVD-Player zu kaufen.
Peter: Erfahrung macht klug!
Reiner: Und genau deshalb denke ich, ich kenne meinen Weg jetzt. Es ist wieder Zeit. Ist das Ok?
Michael: Zahlen!
<Musik: fade-in volle Lautstärke bei 2:33 bis Ende>
<Schnitt>
Zwei Polizisten stehen an der Fahrertür des Kleinbusses. Das Blaulicht spiegelt sich im Fenster des Wagens.
Christian: Zahlen? Wegen überhöhter Geschwindigkeit? Ich habe keine Zeit für große Erklärungen. Es eilt. Ein Notfall. Sehen sie diese Person im Rollstuhl? Sie benötigt dringendst medizinische Versorgung.
Polizist: Was ist mit ihm?
Christian: Er ringt nach Luft. Nur zuhause kann ihm geholfen werden. Er benötigt die Hilfe eines medizinischen Gerätes.
<Musik: Cornershop vs Baha Men „Brimful of dogs“>
Polizist: Wo wohnt er? Wir fahren voraus.
Die Kamera zeigt aus dem Bus heraus den vorausfahrenden Polizeiwagen. Sirenen der Polizei sind leise zu hören.
Reiner: Ich kanns nicht fassen. Es klappt doch immer wieder.
Angekommen vor Reiners Wohnhaus. Die Sirenen des Polizeiwagens heulen noch immer.
<Musik – fade out>
<Schnitt>
Das Atemgerät beginnt die Arbeit mit einem schrillen Sirenenton. Reiner atmet ein paar mal tief ein und spricht sichtbar theatralisch erholt:
Reiner: Vielen Dank für ihre Hilfe.
Polizist: Keine Ursache, dafür sind wir doch da. Einen schönen Abend noch zusammen. Auf Wiedersehen.
Günther begleitet die Polizisten aus dem Haus
<5 Sekunden FadeIn und Baha Men - „Who let the dogs out“>
Die vier Verbleibenden schauen verwundert umher, da sie ebenso wie der Zuschauer das „who let the dogs out“ wahrnehmen. Sie schmunzeln.
Michael: Das war jetzt das dritte mal.
Reiner: Nein, ich denke es war das vierte mal. Vergiss nicht wie wir uns mit deren Hilfe hinter die Bühne des U2-Konzertes geschmuggelt haben. Ich zähle das dazu.
Michael: Ja, und die Masche zieht immer wieder. Du solltest Schauspieler werden.
Reiner: Hehe, klar den jungendlichen Liebhaber oder einen Draufgänger, athletisch, potent, Frauen flachlegend. Und du schiebst mich zu den Rendezvous.
Michael: Ich dachte eher and „Jakob der Lügner“ oder „der Falsche Fünziger“...oder denkst du zur Zeit wieder öfter an früher?
Reiner: Ständig.
Schweigen in den vier Gesichtern
Christian: Wir waren jeden Tag aus. Wirklich jeden. Unglaublich. Wie haben wir das nur geschafft? Damals, deine Donnerstags-Anja, was haben wir gelacht.
Reiner: Ja und ich hatte die Arbeit (grinsend)
Peter: Die hätten wir alle gerne gehabt.
Michael: Nicht unser Günther.
Gelächter
Michael: Sie war dir richtig verfallen.
Reiner: Ja das war sie.
Michael: Und du hast das ausgenutzt...
Reiner: Nur Donnerstags.
Gelächter
Christian: Warum eigentlich immer donnerstags?
Michael: Weil der Sack unter der Woche andersweitig beschäftigt war. Gabs da nicht noch den Friseusen-Montag?
Reiner: Sie hatte Donnerstags keinen Fahrer der sie nach Hause fuhr. Da habe ich mich dann gerne zur Verfügung gestellt. Ich war ihr Chauffeur und sie war sehr dankbar...übrigens war sie auch Friseuse.
<Musik: World Party – Is it like today>
Rückblende, 10 Jahre: Gleiches Pub, gleiche Bedienung.
Bedienung: Na Jungs, wie geht's? Schaut mal, wir haben Nüsse gratis. Jeder Tisch eine Schale. Was wollt ihr trinken? Habt ihr auch Hunger?(sehr freundlicher Tonfall)
Reiner sieht nur noch ein Mädchen am anderen Tisch und fixiert sie. Das Mädchen fixiert Reiner ebenso. Sie blicken sich eine Zeit fest in die Augen. Reiner verspürt einen leichten Schlag am Hinterkopf von Michael.
Michael: Was du trinken willt?
Reiner: Wie immer!
Michael: Reiner, das Pub ist neu, wir sind hier das erste mal!
Reiner: Das gleiche wie das Mädchen dort! (grinsend)
Peter: Gibt's noch Nüsse?
<Musik – World Party – fade-out>
<Schnitt>
Kamera zeigt von oben den Tisch voller leerer Schalen und zoomt auf Reiners Gesicht. Er fixiert weiterhin das Mädchen am anderen Tisch. Dann verlässt sie ihren Platz. Sie setzt sich zu ihm.
Mädchen: Hallo, wir können uns jetzt noch stundenlang ansehen und niemals miteinander sprechen, oder wir tun es gleich.
Reiner: Ja hallo, gute Idee (verlegen).
Mädchen: Hast mich ja lange genug angeschaut.
Reiner: Du nicht auch?
Mädchen: Lass uns doch nach draussen gehen. Ich denke dort können wir uns ein wenig besser unterhalten. Oder was meinst du?
Reiner: Jetzt schon nach draußen?
Mädchen: Ja.
Reiner: Kein Problem. (grinsend)
Michael: Halt! Sehen wir Reiner heute nochmal?
Mädchen: Fragt doch meine Freundinnen!
Die vier Freunde schauen verdutzt aber auch anerekennend. Das Mädchen und Reiner verlassen das Pub. Sie begeben sich zum Parkplatz. Anja zündet sich eine Zigarette. Sie bietet Reiner eine Zigarette an.
Reiner: Nein, nur Joints.
Mädchen: Du hast einen da?
Reiner: Heyyy, nein, das war Spass, habe nie Einen geraucht.
Mädchen: Wirklich? Wie alt bist du eigentlich?
Reiner: 24 und du?
Mädchen: 17
Reiner: aha.
Reiner mustert die Figur des Mädchens und grinst.
Mädchen: Was grinst du?
Reiner: Du bist verdammt reif...für dein Alter.
Mädchen: Das kannst du doch gar nicht wissen.
Reiner: Aber sehen.
Mädchen: Und, gefällt dir das?
Reiner: Fahren wir in die Stadt?
Anja: Ok.
<Schnitt>
<Musik: The Breeders - „Last Splash“ fade-out halbe Lautstärke ab 0:23>
Beide sitzen in Reiners Auto. Reiner schiebt eine CD in den Player.
Reiner: The Breeders, schon mal etwas von ihnen gehört?
Mädchen: Wir können auch gleich zu dir fahren, kein Problem.
Reiner: Was?
<Pause>
ok, wenn du willst.
Mädchen: Dachte ich mir das du so einer bist. Du kennst nicht einmal meinen Namen aber nach 15 Minuten willst du schon nach Hause mit mir.
Reiner: Was?
<Pause>
aha...ich bin der Reiner. Und wie heisst du?
Anja: Ich bin die Anja.
<Pause>
los, fahren wir zu dir. (lachend)
Außenansicht des Autos von der Seite – es beschleunigt sichtbar -das Fahrzeug fährt aus dem Bild.
<Musik – Breeders fade-in bei 1:02 bis Ende>
<Rückblende Ende>
Christian: Und immer nur Donnerstags?
Reiner: Ja, ich bin halt ein Gewohnheitstier.
Peter: Und du hast sie nicht einen Funken geliebt?
Reiner: Wen?
Michael, Peter, Christian, Günther: Anja!!!
Reiner: Nein, ich denke nicht. Sie war wirklich sehr nett, hübsch sowieso und war für alles zu haben (grinsend)...außerdem war es genau die Zeit, als sie mir dieses Ding verpassten.
Reiner zeigt auf seine Atemmaschine.
Reiner: Ich denke damals hätte ich mich in keine Frau der Welt ernsthaft verlieben können. Und jetzt ist der Zug wohl abgefahren.
Peter: Du hast das Ding schon wieder beinahe 10 Jahre?
Reiner: Ja, anfangs nur Nachts, 8 Stunden für den Schlaf. Tagsüber keine Minute.
Christian: Anscheinend hat dich Anja damals so hergenommen das sie dich gleich verkabeln mussten.
Reiner: Und du warst ihr nächstes Opfer.
Christian: Ich denke sie brauchte dringend wieder Fleisch zwischen den Zähnen.
Reiner:: Klar, sie war doch auch Vegetarierin.
Gelächter
Reiner: Danke für den Abend, aber...(Er hebt den Arm, es scheint als blickt er auf seine Armbanduhr, jedoch trägt er keine)
...wow, es ist verdammt spät...es war wie immer schön mit euch. Ist wirklich verdammt spät, ich muss ins Bettchen.
Michael: Das hättest du jetzt aber auch freundlicher sagen können du Arsch
(er verzieht anfangs keine Miene, ein paar Sekunden später schmunzelt er).
Geht man so mit seinen besten Freunden um?
Günther: Mit seinen Besten? Wohl eher mit seinen Einzigen.
Gelächter
Reiner: RAUS!!!!
<Musik: REM „Imitation of life“>
Die vier Freunde verlassen mit einem Schmunzeln im Gesicht die Wohnung. Reiner greift sich das neben ihm liegende Notebook, öffnet es und geht online.
Reiner: Naja, ein Paar Freunde gibt es schon noch, hehe (leise sprechend)
Reiner ist online, auf dem Notebook blinkt es. 12 Nachrichten. Darunter 7 Nachrichten von Freunden. Er klickt auf das „Freundefenster“ und man sieht eine Liste, nicht endend wollen mit Frauennamen.
Er beginnt, er öffnet
Mail #1:
Bea: Na wie wars denn heute wieder in der Arbeit?
Reiner überlegt kurz und antwortet: grrrrrr. Nur Stress, ekelhafte Kunden, wahrscheinlich warst du dabei ;-) wir sehen uns im Chat...ciao
Mail #2:
Claudia: Halllllllllllo Reiner Mausiiiiiiii, wie geht's? Lange nichts gehört? Kinder Ok? Frau immer noch brav? Katzen geimpft? Hihihi – melde dich doch mal wieder. Grüße von deiner virtuellen Freundin Claudia.
Reiner: Die glauben echt alles. Unfassbar. (murmelnd)
Er klickt das Fenster unbeantwortet weg. Ebenso verfährt mit jeder weiteren Email seiner Freundinnen. In der Vorschau erscheint nun eine Email eines ErotikChats. Reiner schließt schon das Notebook.
<Musik: fade-out bei 2:14>
Er öffnet es aber doch wieder und folgt der Einladung dieser Email. Wenige Sekunden später öffnet er eine Schublade und ergreift eine Kreditkarte.
<Schnitt>
Bildschirmfüllend zoomt der Schriftzug „Willkommen bei Kelly“. Der Schriftzug verschwindet, es sitzt eine hübsche leichtbekleidete Frau im Schneidersitz auf einem Bett. Rechts daneben, ca 20% Filmleinwand ist der Chat. Im Chatraum sind 5 Teilnehmer sowie Kelly.
Kelly: Hallo Reiner, wie geht's?
Reiner mustert das Mädchen und klickt oben zur nächsten Lady. „Willkommen bei Samantha“ erscheint es nun auf dem Bildschirm. 3 Gäste im Chatroom: Kaju, Pussylover und Reiner.
Samantha: Hallo Reiner
Pussylover: Mein Schwanz ist 19,5 cam lang
Reiner: Hallo Demi
Samantha: Mein Name ist Samantha vrrrrrrrrr
Reiner: :-) aber du siehst Demi Moore sehr ähnlich
Samantha: Wirklich? Das hat mir bisher keiner gesagt. Neinnnnnnn, du machst Witze
Pussylover: Werden deine Nippel auch richtig hart?
Reiner: Witze? Nur über „Pussylover“, wenn du willst.
Samantha: Hihihihiihihi, ja bitte
Reiner: Härter als dein Penis, Pussylover.
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